Den Haag/Hamburg – Internationalen Ermittlern ist ein Schlag gegen perfide Online-Gruppen gelungen: Männer sollen ihre eigenen Partnerinnen betäubt, sexuell missbraucht und die Taten anschließend im Internet verbreitet haben! Bei der europaweiten Aktion „Projekt Medusa“ wurden nach Angaben von Europol 156 mutmaßliche Opfer und Täter identifiziert. Maßgeblich beteiligt waren das Bundeskriminalamt (BKA) sowie das Landeskriminalamt Hamburg. Die Ermittler gingen erstmals gezielt gegen diese Online-Netzwerke vor, in denen die Missbrauchsvideos offenbar ausgetauscht und verbreitet wurden. Die Ermittlungen dauern an.
Nach Angaben von Europol führte der Einsatz im Juni zu 274 neuen Ermittlungsansätzen. Insgesamt beteiligten sich Behörden aus neun Ländern an der Operation. Die Leitung lag bei deutschen und britischen Ermittlern, Europol koordinierte den internationalen Einsatz. Zu den Verdächtigen oder den betroffenen Frauen machte die Polizeibehörde mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen keine weiteren Angaben.
Nach Erkenntnissen von Europol handelt es sich bei den Tatverdächtigen überwiegend um Männer, die ihre eigenen Partnerinnen zunächst betäuben und anschließend sexuell missbrauchen. Die Taten sollen sie filmen und die Aufnahmen in frauenfeindlichen Online-Gruppen und sozialen Netzwerken teilen. Dort tauschten die Mitglieder nach Angaben der Ermittler nicht nur die Missbrauchsvideos aus, sondern auch Erfahrungen und Anleitungen. Diskutiert worden seien unter anderem die Wirkung verschiedener Betäubungsmittel sowie Möglichkeiten, an diese Substanzen zu gelangen. Während der jüngsten Ermittlungen wurden vier weitere mutmaßliche Netzwerke dieser Art entdeckt.
Parallelen zum Fall Pelicot
Die Vorwürfe erinnern an den Fall der Französin Gisèle Pelicot. Sie war nach den Feststellungen der französischen Justiz über Jahre hinweg von ihrem damaligen Ehemann immer wieder betäubt, sexuell missbraucht und zahlreichen fremden Männern zur Vergewaltigung angeboten worden.
Das „Projekt Medusa“ war im April gestartet, um die Hintermänner und Strukturen dieser Online-Netzwerke aufzudecken und zu zerschlagen. Seit Beginn der Ermittlungen wurden laut Europol in den beteiligten Staaten 57 Tatverdächtige festgenommen und 158 mutmaßliche Opfer in Sicherheit gebracht. Im Juni nahm die niederländische Polizei nach Hinweisen deutscher und britischer Ermittler zudem vier weitere mutmaßliche Täter fest.