Frankfurt – Freitagabend der erlösende Sieg gegen den 1. FC Köln (1:0), Sonntagabend der große Knall: Markus Krösche (46) trat von seinem Posten als Sport-Vorstand von Eintracht Frankfurt zurück. Auf der Mitgliederversammlung am Montagabend wird er seinen letzten Auftritt bei den Hessen haben. Während der Rede von Präsident Mathias Beck (55) wird Krösche auf die Bühne kommen, um noch mal seinen Entschluss zu erklären und sich offiziell von den Fans zu verabschieden.
Die Frage ist, wer folgt ihm nach? Keine leichte Entscheidung für Eintrachts Hauptausschuss um Präsident Mathias Beck (55). Auch wenn die letzten zwölf Monate von einigen Krösche-Fehlentscheidungen geprägt waren, tritt der Nachfolger bei Eintracht in große Fußstapfen. Vor allem auch deshalb, weil in Zukunft auf dem Transfermarkt nach BILD-Infos in Sachen Ausgaben wieder zurückhaltender gedacht wird.
Der große Kandidaten-Check
Joti Chatzialexiou (50): Gebürtiger Frankfurter, ehemaliger Jugend-Trainer bei Eintracht, zudem 20 Jahre beim DFB auf höchster Ebene angestellt. Zuletzt als sportlicher Leiter der Nationalmannschaft. Er zählt zu den Favoriten auf die Krösche-Nachfolge, wäre aktuell die charmanteste Lösung für das Frankfurter Umfeld. Im Mai 2024 wurde er Sport-Vorstand in Nürnberg und baute dort eine Mannschaft auf, die inzwischen um den Aufstieg mitspielt. Er würde perfekt passen, weil er weiß, wie vereinspolitische Themen moderiert werden müssen.
Das Problem: Das Ziel von Chatzialexiou ist es eigentlich, Nürnberg in die Bundesliga zu bringen. Doch wer weiß, was ist, wenn Eintracht richtig ernst macht.
Benjamin Weber (46): Der Augsburger Sportdirektor gehört ebenfalls zum Top-Kandidaten-Kreis. Die Eintracht-Verantwortlichen beobachten seine Arbeit seit Langem. Weber hat in Mainz als Videoanalyst angefangen, erst unter Jürgen Klopp, später dort unter Thomas Tuchel. Mit ihm blieb er als Analyst in Dortmund, bei Paris St. Germain und dem FC Chelsea zusammen, ehe er 2023 als Sport-Boss nach Paderborn ging und dort sehr erfolgreich war. So wie jetzt in Augsburg. Weber, der Familie in Königstein hat, reizt der Job sehr. Auch, weil es eine Rückkehr in die Heimat wäre.
Christoph Spycher (48): Er ist der Dritte auf der Top-Liste. Sein Name fiel in der Vergangenheit immer wieder, denn Eintracht schätzt die Arbeit, die der Schweizer seit Jahren bei Young Boys Bern macht, sehr. Er würde Ruhe in den Klub bringen.
Das Problem: Spycher, inzwischen Sport-Verwaltungsrat, hat eine Aktienbeteiligung am Klub, er hat 2024 zehn Prozent der Anteile übernommen. Die müsste er wieder abgeben, sonst wäre ein Job in Frankfurt nicht erlaubt.
Pirmin Schwegler (39): Der frühere Eintracht-Kapitän hat Außenseiter-Chancen. Er gab im letzten Dezember seinen Job als Leiter Profi-Fußball bei den Hessen auf und wechselte als Sportdirektor nach Wolfsburg. Vor allem, weil er seine Entwicklung in Frankfurt gebremst sah.
Das Problem: Nach seinem Abgang wurde kolportiert, er hätte mit Insiderwissen versucht, Eintracht beim Wechsel von Younes Ebnoutalib (23) auszubremsen, um ihn selbst zu verpflichten. Eine Behauptung, die er bei allen Frankfurt-Bossen glaubhaft dementiert hat. Schwegler genießt bei ihnen weiter einen Top-Ruf.
Fredi Bobic (54): Er läutete als Sport-Vorstand die Erfolgs-Jahre bei Eintracht ein, arbeitete dort sehr gut mit Trainer Adi Hütter (56) zusammen, ehe er 2021 nach Berlin zur Hertha ging. Inzwischen ist er Head of Football beim polnischen Erstligisten Legia Warschau. Doch Bobic will nicht mehr in Berlin leben und kann sich eine Rückkehr nach Frankfurt sehr gut vorstellen. Pluspunkt: Sein Freund Wolfgang Steubing (76), der ihn 2016 holte, hat wieder eine wichtige Rolle im Klub eingenommen.
Das Problem: Es ist fraglich, ob Bobic unter dem neu berufenen Vorstandsvorsitzenden Axel Hellmann (55) arbeiten würde. Deshalb ist die Personalien eher ausgeschlossen.
Chatzialexiou, Weber, Spycher, Schwegler und Bobic – die Namen sind prominent. Und alle würden in das neue Eintracht-Konzept passen. Denn der Verein wird sich wieder mehr auf das besinnen, was ihn stark gemacht hat.
Die Träume von der Champions League sind begraben, die Europa League ist das Höchste der Gefühle. Das ist der Wettbewerb, der wie gemacht ist für die Frankfurter. Deshalb spielen internationale Top-Manager wie Igli Tare (53/zuletzt AC Mailand) oder Hasan Salihamidzic (49/zuletzt Bayern) in den Überlegungen keine Rolle mehr, weil Eintracht Frankfurt ihnen die Perspektive Königsklasse nicht bieten kann. Und nicht will!