Brüssel – Des einen Freud, des anderen Leid: Eine Übernahmeschlacht um den britischen Billigflieger Easyjet hat den Kurs allein im letzten Monat um fast ein Drittel nach oben knallen lassen und lässt Aktionäre jubeln. Doch das mehrfach nachgebesserte Übernahmeangebot des US-Finanzinvestors Castlelake weckt auch Ängste: vor einer Zerschlagung der zweitgrößten Low-Cost-Fluggesellschaft in Europa (nach Ryanair), um sie in höchst lukrativen Einzelteilen zu verkaufen. Showdown ist am 5. Juli: Dann wird – nach einem von Easyjet gewährten Blick in die Bücher – das finale Angebot erwartet.
Easyjet ist eine feste Größe am europäischen Himmel: „Jeder elfte Sitzplatz auf innereuropäischen Flügen wird derzeit von EasyJet angeboten“, sagte ein Brüsseler Beamter der EU-Kartellbehörde dem italienischen „Corriere della Sera“. Die Sorge des Experten: „Sollte die Billigfluggesellschaft ihren Betrieb einstellen – weil die neuen Eigentümer den Einzelverkauf der Vermögenswerte attraktiver finden –, stünden den EU-Bürgern deutlich weniger Optionen und Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung. Dies hätte auch negative Auswirkungen auf die Flugpreise, die erheblich steigen würden.“
Briten verlangen Garantie
Noch größer sind die Bedenken in der britischen Regierung, da der Marktanteil dort bei einem Fünftel liegt. Ein Sprecher: „Wir wollen eine schriftliche Garantie, dass es nicht zu einer Zerschlagung kommt.“
Die Krux: Weil der Flugverkehr überraschend schnell nach Corona zulegte, gibt es bei den Herstellern Kapazitätsengpässe. Easyjet verfügt über eine Flotte mit einem Buchwert von fast 6 Milliarden Euro, hinzu kommen an die 300 vorbestellte Jets. Deshalb wäre ein getrennter Verkauf von Flotte und z. B. Landerechten aus Investorsicht womöglich lukrativer als eine Aufrechterhaltung des Flugbetriebs.
Berlin braucht EasyJet
Das Ende von Easyjet wäre vor allem für die deutsche Hauptstadt fatal. Denn: Der Hauptstadtflughafen wird von der Lufthansa kaum angeflogen, liegt wegen hoher Kosten im Dauer-Clinch mit RyanAir und ist dringend auf die Easyjet-Verbindungen angewiesen. EasyJet-Manager Stephan Erler: „Von den etwa fünf Millionen Passagieren pro Jahr im deutschen Markt fliegen bis zu 4,2 Millionen Fluggäste von und nach Berlin.“