Es gibt diese eine Szene, die jeder kennt, der schon einmal mit mehreren Menschen vor einem Ventilator saß: Einer dreht ihn zu sich, der nächste schiebt ihn wieder weg, am Ende steht das Ding irgendwo in der Mitte und pustet vor allem in Richtung Zimmerpflanze. Der Dyson Find+Follow Purifier Cool PC3 will genau diesen kleinen Sommerkrieg beenden. Und das Verblüffende ist: Es klappt hervorragend.
Der PC3 ist ein Zwitter, ein Luftreiniger und Ventilator in einem Gerät, und er sieht aus, wie Dyson eben aussieht – ikonisch, schmal, futuristisch, ein bisschen wie aus einem Science-Fiction-Film, der in einem sehr aufgeräumten Loft spielt. Was ihn von seinen Vorgängern unterscheidet, steckt schon im Namen. Find und Follow, finden und folgen.
Im Inneren arbeitet ein KI-Vision-System mit einer 17-Punkte-Bewegungserkennung, das erkennt, wo sich Personen im Raum aufhalten, und den gereinigten Luftstrom gezielt dorthin lenkt. Das Gerät dreht sich dafür um bis zu 350 Grad und kann mitten im Raum stehen, ohne dass eine Seite leer ausgeht.
Im Praxistest war genau das die größte Überraschung. Wir haben versucht, den Dyson auszutricksen, sind von einem Sofa zum anderen gerannt und gesprungen, haben uns geduckt und die Plätze getauscht – es ist uns nicht gelungen. Der Ventilator folgt zuverlässig, fast schon hartnäckig. Kommt eine dritte Person hinzu, verteilt er den Luftstrom gerecht zwischen allen. Verlassen zwei von drei Personen den Raum, richtet er sich auf die verbliebene aus und bewegt sich nur, wenn sie sich bewegt.
Das ist nicht nur eine technische Spielerei, sondern im Alltag tatsächlich praktisch, weil das ewige Zurechtrücken entfällt. Dass man hier schnell die Frage nach dem Datenschutz stellt, ist klar. Dyson winkt ab: Das System identifiziere niemanden, es erkenne nur Anwesenheit. Die Bilder würden direkt im Gerät in Echtzeit analysiert, sofort gelöscht und verließen das Gerät nie. Verlassen alle Personen den Raum, stoppt die Rotation automatisch und spart so Energie.
Bei der eigentlichen Kernaufgabe, dem Reinigen der Luft, spielt der PC3 seine Dyson-Gene aus. Die verbauten Filter entfernen den Angaben zufolge 99,95 Prozent der ultrafeinen Partikel bis hinab zu 0,1 Mikrometern, dazu Gerüche, flüchtige organische Verbindungen (VOC) wie sie aus Parfüm oder Reinigungsprodukten kommen und nach Herstellerangabe 50 Prozent mehr Stickstoffdioxid als ältere Modelle. Das gesamte System ist vollständig abgedichtet, sodass einmal eingefangene Partikel nicht wieder in den Raum gelangen. Dyson selbst gibt eine Reichweite von rund 27 Quadratmetern und einen Luftstrom von über 290 Litern pro Sekunde an. Für ein durchschnittliches Wohnzimmer ist das mehr als genug.
Die Bedienung läuft wahlweise über eine kleine Fernbedienung oder über die MyDyson-App. Die Sensoren im PC3 überwachen kontinuierlich die Partikel in der Luft, also PM2,5, PM10, VOCs, NO₂ und Formaldehyd. In der App werden zudem die Luftfeuchtigkeit und Temperatur angezeigt. Über die Fernbedienung können die entsprechenden Werte auch auf einem kleinen runden Display am Gerät abgelesen werden.
Besonders clever gelöst ist die Farbcodierung: Statt den Nutzer mit nackten Zahlen zu erschlagen, übersetzt die App die Luftqualität in Farben, von Grün für gut über Rot für sehr schlecht bis Violett für besorgniserregend. Das versteht man auf einen Blick. In der App lassen sich außerdem Zeitpläne anlegen und die Anbindung an Google Home, Amazon Alexa oder Matter einrichten, sodass sich das Gerät auch per Sprache über einen Smartspeaker steuern lässt. Im Automodus überwacht der Dyson die Luftqualität selbstständig und passt die Filterleistung entsprechend an.
So rund das Gesamtbild ist, ein paar Kratzer gibt es. In der höchsten Stufe 10 kommt vom Luftstrom weniger an als bei unserem Referenz-Ventilator, dem deutlich günstigeren Dreo Polyfan 513S – der allerdings auch lauter ist. Der Dyson schwenkt zudem nur nach links und rechts, er lässt sich nicht nach oben oder unten neigen. Für die meisten Nutzer dürfte das verschmerzbar sein.
Ärgerlicher ist eine Lücke in der Logik: Man kann den PC3 nicht so programmieren, dass er ab einer bestimmten Raumtemperatur automatisch eine höhere Stufe wählt. Wer das will, muss den Umweg über Alexa gehen, die dann allerdings einen separaten Temperatursensor braucht, weil sie den im Dyson verbauten Sensor nicht auslesen kann. Und im Auto-Modus war das Gerät bei uns im Wohnzimmer noch so laut, dass es beim Fernsehen störte. Abhilfe schafft der Nachtmodus, der den Betrieb um 50 Prozent leiser macht und das Display dimmt. Dann ist Ruhe.
Bleibt die Preisfrage, und die ist bei Dyson nie banal. 699 Euro sind für ein Gerät, das eben auch ein Ventilator ist, eine Ansage. Man bezahlt hier unzweifelhaft auch für Design und Markennamen. Zur Einordnung: Solide Luftreiniger gibt es bei der Konkurrenz von Philips oder Xiaomi je nach Leistung zwischen rund 100 und 300 Euro. Dazu kommen Folgekosten, denn der Filter sollte jährlich gewechselt werden und schlägt mit 100 Euro zu Buche. Wer rein nach Filterleistung pro Euro kauft, ist anderswo besser bedient. Wer aber das Komplettpaket aus exzellenter Reinigung, den überzeugenden Find+Follow-Tricks, der durchdachten App und dem unverkennbaren Design sucht, bekommt hier eines der rundesten Geräte seiner Klasse. Das Folgen ist dabei nicht bloß Effekthascherei, sondern das beste Feature am ganzen Modell.
Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.
Thomas Heuzeroth ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet über Verbraucher- und Technologiethemen, Unterhaltungselektronik und Telekommunikation.