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Dieser Saugroboter soll jede Ecke erreichen – zumindest in der Theorie

Dieser Saugroboter soll jede Ecke erreichen – zumindest in der Theorie

Saugroboter sind in den vergangenen Jahren erstaunlich selbstständig geworden. Sie kartieren Wohnungen, weichen Kabeln aus, waschen ihre Mopps und entleeren den Staubbehälter ohne Zutun. Ein Problem aber blieb hartnäckig: die letzten Zentimeter an der Wand, hinter dem Stuhlbein, entlang der Fußleiste. Genau hier setzt Dreame mit dem X60 Pro Ultra Complete an, dem neuen Flaggschiff der Marke. Es verspricht nichts weniger als die Reinigung des gesamten Wohnraums – inklusive Stellen, die bislang als unerreichbar galten.

Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal ist der ausfahrende Arm. Der Roboter wischt mit zwei rotierenden Mopps, von denen einer an einem beweglichen Gelenkarm sitzt und sich bis zu 18 Zentimeter über das Gehäuse hinaus nach außen schieben lässt. Dazu kommt eine Seitenbürste, die bis zu zwölf Zentimeter ausfährt. Damit gelangt der X60 an Übergänge zwischen Wand und Boden, um Stuhlbeine herum und an Fußleisten, die vielen Konkurrenten verschlossen bleiben. Wenn das System greift, reinigt es diese Zonen so gründlich wie kaum ein anderes Gerät.

Wenn. Denn im Test arbeitet der Arm auffällig launisch. Mal fährt er sorgfältig an der Fußleiste entlang und umrundet jedes Hindernis, mal lässt er ganze Abschnitte einfach aus – ohne erkennbares Muster. Warum das eine Stuhlbein ausführlich bearbeitet wird und das nächste nicht, bleibt unklar und wirkt beliebig.

Auch baulich bleibt der Arm hinter den Erwartungen. Mit rund sechs Zentimetern Höhe kommt er nicht unter flachere Möbel, unter denen man sich Reichweite gewünscht hätte. Richtig ärgerlich ist die kleine Bürste, die sich am ausfahrenden Mopp-Arm anstecken lässt und beim Entlangfahren Fußleisten reinigen soll. Sie fällt im Test ständig ab, weil der X60 mit dem Arm gegen Stuhl- und Tischbeine fährt. Gut gemeint, aber völlig unbrauchbar. Man sollte sie gleich im Karton lassen.

42.000 Pascal auf dem Papier

Die zentrale Disziplin beherrscht der X60 souverän. Dreame nennt 42.000 Pascal Saugkraft, einen Spitzenwert im Konkurrenzvergleich, der allerdings zunächst nur auf dem Papier steht. Wie gut ein Roboter tatsächlich reinigt, hängt ebenso von Bürstenaufbau, Luftführung und Bodenkontakt ab. Im Praxistest aber löst der X60 das Versprechen ein: Er zieht groben Schmutz ebenso zuverlässig auf wie feinen Staub aus Dielenritzen, auf Hartboden bleibt praktisch nichts liegen. Auf Teppich ist die Leistung gut, aber nicht makellos. Hier hängt viel davon ab, ob die Automatik den Verschmutzungsgrad richtig einschätzt und entsprechend stark aufsaugt.

Das Wischen mit den zwei drehenden Mopps bringt meistens gute Ergebnisse. Der Dreame X60 soll Flecken besonders gut erkennen und dann die entsprechende Stelle sogar noch gründlicher reinigen. Wir konnten das im Test beobachten, allerdings auch an Stellen, an denen definitiv keine besonderen Flecken waren. Solche Fehlinterpretationen schaden zumindest nicht.

Angenehm aufgefallen ist uns das Tempo beim Nachladen des Akkus. Wo das Aufladen bei vielen Konkurrenten quälend langsam abläuft und die Reinigung großer Flächen ausbremst, setzt Dreame auf die PowerMaster-Schnellladung: Geht dem Roboter unterwegs die Energie aus, kehrt er zur Station zurück, tankt in wenigen Minuten einen erheblichen Teil seiner Kapazität nach und setzt die Reinigung dort fort, wo er aufgehört hat. Auf großen Wohnflächen spart das spürbar Wartezeit.

Bei der Orientierung gibt es wenig zu bemängeln. Kabel, Schuhe und herumliegende Gegenstände erkennt der X60 früh und umfährt sie sicher, auch verrückte Möbel bringen ihn nicht aus dem Konzept. Auch höhere Hindernisse meistert er zuverlässig. Im Test kam er problemlos über unsere fünf Zentimeter hohe Türschwelle. Er soll sogar zweistufige Übergänge bis zehn Zentimeter überwinden können. Warum das Gerät jedoch direkt vor einer Schwelle innehielt, um über die App zu melden, dass es sich festgefahren hat, konnten wir nicht aufklären. Das war im Test jedoch ein Einzelfall.

Viel Wasser, viele Menüs

Zwei Punkte trüben den Eindruck zusätzlich. Die Moppwäsche schluckt selbst im Standardmodus reichlich Wasser. Schon nach knapp 90 Quadratmetern fordert die Lade- und Reinigungsstation über eine Pushnachricht in der App frisches Wasser an. Und die App, so umfangreich und übersichtlich sie ist, bietet derart viele Einstellungen, dass Einsteiger zunächst überfordert sein dürften. Wer jedoch etwas tiefer einsteigen will, findet hier ein großartiges Spielfeld, um die Reinigungsintensität im Detail anzupassen oder Zeitpläne und Reinigungsabfolgen festzulegen.

Fazit: Der Dreame X60 Pro Ultra Complete ist beim Saugen, beim Klettern und dank PowerMaster-Schnellladung beim Akku ein Spitzengerät. Dazu kommt ein üppiges Zubehörpaket mit Ersatzbürsten, Mopps, Staubbeuteln und Reinigungsmittel, das den ersten Nachkauf erspart. Seine Reichweiten-Technik kann an Kanten Erstaunliches leisten – doch ausgerechnet dieses Aushängeschild arbeitet noch zu unzuverlässig: Der Mopp-Arm lässt Stellen aus, die Fußleistenbürste hält nicht. Vieles davon wirkt nach einem Software-Problem, das sich per Update beheben ließe. Der Dreame X60 kostet 1499 Euro.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Thomas Heuzeroth ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet über Verbraucher- und Technologiethemen, Unterhaltungselektronik und Telekommunikation.

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