München – Die Deutsche Post lehnt den Davidstern als Motiv für individuelle Briefmarken ab – mit der Begründung, er sei „politisch oder ethisch nicht korrekt“. Dabei gilt der Davidstern seit Jahrhunderten als Symbol jüdischen Lebens und ist seit 1948 auch das Zeichen des Staates Israel. Eine Münchnerin wollte das Symbol für ihre Privatpost nutzen und scheiterte an den Vorgaben des Konzerns.
Hintergrund: Jeder Kunde kann auf der Internet-Seite der Post ein Motiv für individualisierte Briefmarken hochladen: Hund, Kind, Familie, Herzchen – alles druckt die Post für Geld. Auch Barbara Schaumberger wollte Briefmarken für ihre Privatpost bestellen. Ihre Grafik enthielt einen Davidstern und den Satz „Antisemitismus – ohne mich!“ Es ist das Logo einer Münchner Initiative, die Antisemitismus bekämpfen will. Auch Schaumberger ist Mitglied.
„Ich habe einen Bogen mit 18 Marken entworfen und bestellt“, sagt die Münchnerin. „Ich wollte der Aktion in meinem Bekanntenkreis mehr Aufmerksamkeit verschaffen.“ Nach zwei Tagen erhielt sie eine knappe Mitteilung von der Post per Mail: „Leider müssen wir Ihre Briefmarken-Bestellung ablehnen“, weil man „verbotene, politisch oder ethisch nicht korrekte Motive“ nicht drucke. Der Davidstern politisch nicht korrekt? Schaumberger: „Ich bin maximal entsetzt. Ein Davidstern ist doch kein verbotenes Symbol.“
Auf BILD-Nachfrage erklärt eine Post-Sprecherin, ausschlaggebend für die Entscheidung sei „ausschließlich die Einordnung des Motivs im Rahmen der Grundsätze für das Produkt Briefmarke Individuell, nicht das Anliegen der Initiative selbst“. Das Angebot der Post solle nicht als „Plattform für politische oder gesellschaftliche Kampagnen“ genutzt werden.
Aigner und Söder posierten mit Logo
Allerdings: Politiker aller Parteien unterstützen die Initiative. Auch Ministerpräsident Markus Söder (59, CSU) und Landtagspräsidentin Ilse Aigner (61, CSU) ließen sich mit dem Logo ablichten. Aigner äußerte sich enttäuscht über die Ablehnung der Briefmarke: „Die Aktion hat es verdient, weiterverbreitet zu werden.“ Und auch Charlotte Knobloch (93), Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in München, übt Kritik. „Mich irritiert diese Entscheidung sehr.“
Hass gegen Minderheiten sei „kein politisches Thema, sondern eine Bedrohung für die ganze Gesellschaft“, so Knobloch zu BILD. „Und diesen Hass zu bekämpfen, ist deshalb auch keine Frage von Politik. Warum ausgerechnet der Kampf gegen Judenhass auf Briefmarken fehl am Platz sein soll, kann ich überhaupt nicht verstehen.“