„Off Campus“
Der Sommer hält viel Book-Romance bereit – den Auftakt macht „Off Campus“. Die Serie basiert auf der Buchreihe von Elle Kennedy und setzt in der Verfilmung des ersten Bandes auf einen beliebten Klassiker: die Fake-Beziehung, aus der echte Gefühle werden. Hannah ist eine schüchterne Einser-Studentin und Songwriterin, heimlich verknallt in ihren Kommilitonen Justin. Garrett wird als All-Star des Eishockeyteams gefeiert und braucht dringend bessere Noten, sonst ist die Kapitänsbinde weg. Also schlägt er einen Deal vor: Hannah hilft ihm durch die Prüfungen, er spielt ihren Fake-Freund, um Justin eifersüchtig zu machen.
Was als pragmatischer Tauschhandel beginnt, entwickelt sich – wie könnte es auch anders sein – zu mehr. Manche Bücherfans kritisieren, dass Charaktere und Kontexte teils grundlegend verändert wurden. Die Social-Media-Community stört das wenig, denn dort wird die Serie vor allem für die Casting-Auswahl gefeiert, die offensichtlich einem einzigen Kriterium folgte: Jeder männliche Darsteller muss unverhältnismäßig gut aussehen. „Off Campus“ zielt ziemlich unverhohlen auf weibliche Romance-Fantasien – und macht daraus auch keinen Hehl. Und vielleicht können sich auch Männer etwas bei den College-Boys abschauen: beim Ausziehen kurz wegdrehen, auf das Getränk einer Frau achten, einem Freund sagen, dass er seine Gefühle aussprechen soll, bevor es ein anderer tut.
Zu kitschig? Sicher. Aber „Off Campus“ weiß ziemlich genau, was es sein will: kein Prestige-TV, sondern ein weichgezeichneter College-Traum mit Hockeyboys, Herzklopfen und sehr wenig Interesse an Realität. Manchmal reicht das. Josie Rath
Im Streaming auf Prime Video
„Mission Sommermärchen“
Die Parallelen sind offensichtlich: ein Land in der Krise, mental, politisch, fußballerisch, das sich endlich einmal zu echten Reformen durchringen müsste. So war die Lage vor der Fußball-Heim-WM 2006, so ähnlich zumindest ist die Lage auch 2026.
Nach der EM 2004 in Portugal war Fußball-Deutschland ausgeknockt und brauchte dringend einen Neuanfang. Mut zu harten Schnitten. Das ZDF hat die Stimmung in Fußballdeutschland nochmal rekapituliert, wie der Innovator Jürgen Klinsmann übernahm und den maroden DFB zum Umdenken zwang, damit fast scheiterte und am Ende viel mehr gewann als jeder ahnen konnte. Drei Teile à 45 Minuten hat die ZDF-Doku von Simone Schillinger und Florian Nöthe, die einerseits ganz klassisch ist, aber rasanter geschnitten und mit netten Gimmicks versehen.
In ihr steht nicht das Turnier, sondern die Mission und Stimmung im Land im Vordergrund (die bittere Halbfinal-Niederlage gegen Italien wird sportlich komplett ausgespart). Und sie schafft es am Ende, da Jens Lehmann nicht zu Wort kommt, dass neben Klinsmann und „der Mannschaft“ ausgerechnet der auf die Bank verbannte Oliver Kahn zum heimlichen Helden 2006 aufsteigt. Auch ein (schönes) Märchen. Volker Corsten
Zu sehen in der ZDF-Mediathek
„Rafa“
Auch wenn es sich an dieser Stelle um einen Serientipp handelt, möchten wir eine Warnung aussprechen: Fans von Rafael Nadal schauen sich „Rafa“ möglicherweise besser nicht an. Oder, sagen wir: auf eigene Gefahr. Denn nach gerade einmal vier, immerhin 60-minütigen Folgen ist das Comeback des spanischen Tennis-Superstars schon wieder vorbei – und das lässt sich nur mit äußerst intaktem Nervenkostüm ertragen.
Im Ernst: Wer bis zu seinem Karriereende im Jahr 2024 so ziemlich jedes Spiel von Nadal verfolgte, egal ob im eigenen Wohnzimmer, auf dem Court Philippe-Chatrier bei den French Open oder sonst wo auf der Welt, sehnte sich danach, den 40-Jährigen wieder in seinem Alltag zu wissen. Zwar tauchte Nadal sporadisch in den Medien auf, so richtig Präsenz aber zeigte der inzwischen zweifache Vater nicht. Umso erfreulicher also, nun auf sein Leben, insbesondere auf dem Platz, aber auch abseits davon, schauen zu können – und viel über seine physischen wie psychischen Belastungen sowie die vorwiegend liebevolle Rivalität mit Roger Federer und Novak Djokovic zu erfahren. Dem so sympathischen 22-fachen Grand-Slam-Champion stehen schon zu Beginn der Dokumentation Tränen in den Augen, seinen Fans am Schluss. Und noch lange danach. Anja Francesca Richter
Im Streaming auf Netflix
„Das Haus am Hang“
So viel Höflichkeit. So viel Fassade. So viel Wut. Es ist ein stilles System, nach dem in der sechsteiligen japanischen Miniserie: „Das Haus am Hang“, die Arte wieder ins Programm genommen hat, Gewalt und Unterdrückung funktionieren. Risakos Ehemann lächelt, als er ihr beim Abendessen erklärt, dass es doch eigentlich peinlich sei, dass ausgerechnet sie, die Hausfrau, zur Laienrichterin berufen wurde. Sie, die gar keine Ahnung habe. Risako schweigt. Wieder einmal, so, wie zu den vielen anderen Versuchen, sie klein zu machen. Und nimmt sich stattdessen ein weiteres Bier aus dem Kühlschrank.
Basierend auf einem Roman von Mitsuyo Kakuta, erzählt „Das Haus am Hang“ die Geschichte eines Gerichtsprozesses. Angeklagt ist eine Frau, die etwas Unfassbares getan hat: Sie hat ihr Baby getötet. Risako, selbst Mutter einer kleinen Tochter, soll mit den anderen Schöffen den Fall beurteilen. Dabei spürt sie, wie sehr sie sich mit der Angeklagten identifizieren kann. Mit einer Frau, die überfordert war mit ihrem Kind, das sie nicht beruhigen konnte, mit den Ansprüchen ihres Mannes, den Vorwürfen der Schwiegermutter. Risako findet sich in einer Frau wieder, die Hilfe gebraucht hätte und schwieg, bis es zur Katastrophe kam. Kann Risako das ihr drohende Fiasko abwenden?
Ebenso berührend wie eindringlich öffnet „Das Haus am Hang“ nicht nur den Blick für die von strengen Konventionen geprägte japanische Gesellschaft, sondern auch für den generellen Kampf der Geschlechter – und für das Fatale einer Mutterschaft, die mehr auf Leistungsdruck und Pflichtgefühl basiert als auf Freude und bedingungslose Liebe. Claudia Becker
Zu streamen in der Arte Mediathek
„Running Point“ – 2. Staffel
Die Comedy-Serie mit Kate Hudson ist auch in Staffel zwei ideal für einen relaxten Popcorn-Binge-Abend ohne Lust auf allzu komplexe und schwerwiegende Inhalte. Musste Isla Gordon (Hudson) sich in der ersten Staffel noch als Erbin, Präsidentin und einzig kompetente Person im Gesellschafterkreis der „L.A. Waves“, eines stark an die realen „Lakers“ angelehnten Basketball-Profiteams, gegen ihre mehr oder minder dysfunktionalen Brüder und eine chauvilastige Sportwelt durchsetzen, geht es nun um die Verteidigung der Chefposition – und sportlich um den Titel.
Aber keine Angst: Basketball ist nur der Rahmen für diese Familiensoap, in der eine Hochzeit – Islas – am Vorabend gecancelt wird, von ihr selbst; ihr älterer Bruder, frisch aus dem Entzug, einerseits die Macht zurückwill, andererseits wieder im Drogensumpf versinkt; und ein anderer Bruder zwar begeistert entdeckt, dass der neue Point Guard schwul ist und auf ihn steht, dann aber doch von dessen Sexhunger arg überfordert ist. Wie es sich für eine Serie gehört, die im Leistungssport angesiedelt ist, läuft alles auf den finalen Schuss zu. Und das Feld für Staffel drei wird auch schon bereitet. Volker Corsten
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