Berlin/Vilnius – Die Brigade Litauen ist das Prestigeprojekt von Verteidigungsminister Boris Pistorius (66, SPD). 5000 Bundeswehr-Soldaten sollen bis Ende 2027 permanent an der Grenze zu Belarus stationiert werden. Pistorius hatte dafür stets auf das Prinzip der Freiwilligkeit gesetzt. Kein Soldat sollte gegen seinen Willen nach Litauen versetzt werden. Dabei ließ er sich stets die Hintertür offen, bei zu wenig Meldungen Soldaten per Zwang zu verpflichten. Nun will Pistorius davon offenbar Gebrauch machen. Das berichtet die „Welt“.
Weil sich zu wenige Soldaten freiwillig für die Brigade melden, soll künftig verpflichtet werden. Konkret geht es dabei zunächst um Spezialisten (etwa für IT). Nach BILD-Informationen wird das allerdings nur der Anfang sein. Seit Monaten ist in den zuständigen Fachabteilungen des Verteidigungsministeriums klar: Auch bei den Mannschaften reichen die freiwilligen Bewerbungen nicht aus.
Brisanter Kurswechsel
Auf BILD-Anfrage sagt Heeres-Chef Christian Freuding (54): „Oberstes Ziel aus Sicht des Heeres ist es, die volle Einsatzbereitschaft der Brigade Litauen im kommenden Jahr zu erreichen. Dazu werden wir am leitenden Prinzip der Freiwilligkeit festhalten – und dort, wo erforderlich, auch um verpflichtende Maßnahmen ergänzen.“ Die Verpflichtungen würden im Dialog mit den Betroffenen stattfinden.
Die Verpflichtung von Soldaten wäre ein brisanter Kurswechsel. Trotz größter Skepsis von Experten und Soldaten wollte Pistorius die Brigade mit Freiwilligen füllen – auch auf Druck aus der SPD und internen Personalgremien hin. Noch 2024 sagte Pistorius, er hätte von Soldaten im persönlichen Gespräch „noch kein einziges Mal Nein gehört“.
Auslandszuschlag falsch berechnet
Ein Gesetzespaket mit teils üppigen Zulagen sollte den Einsatz attraktiv machen. Für Soldaten mit Familien wurden zudem deutsche Schulen in Litauen aufgebaut, Ehepartner bekommen Hilfe bei der Jobsuche. Offensichtlich reicht das nicht aus. Bei einem BILD-Besuch bei der Bundeswehr in Litauen im April wurden die Personalnöte hinter den Kulissen offen angesprochen.
Hinzu kommt: Laut „Welt“ wurde für mehrere Dienstorte in Litauen der Auslandszuschlag wegen eines Berechnungsfehlers zu hoch angesetzt. Das heißt: Einige Soldaten bekamen bislang mehr Geld als eigentlich vorgesehen. Das Ministerium räumte die fehlerhafte Berechnung ein. Dies werde zum 1. Juli nun korrigiert.