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BILD-Reporterin Ceuta: Migranten mit Knüppeln und Trinkwasser empfangen

BILD-Reporterin Ceuta: Migranten mit Knüppeln und Trinkwasser empfangen
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Ceuta – Es ist drückend, als ich am Mittag mit meinem Fotografen Peter die Fähre verlasse. 28 Grad zeigt die Wetter-App, sie fühlen sich wie 40 an. Doch die Hitze ist sofort vergessen, die angespannte Stimmung fordert alle unsere Aufmerksamkeit. Zwei Streifenwagen machen vor uns eine Vollbremsung, Beamte mit gezückten Schlagstöcken springen raus und rennen in Richtung Fährterminal. Spanisch-Fetzen dringen zu uns. In ihnen schwingt Panik mit. Wir sind in Ceuta. Und hier ist nichts mehr so, wie es noch vor wenigen Tagen war.

Bis zu unserem Hotel in der Innenstadt sind es ein paar Kilometer. Taxis sind heute aber nicht zu finden. Doch wir haben Glück: Einheimische nehmen uns im Auto mit. Vielen von ihnen begegnen wir nicht. Während der kurzen Fahrt wird klar, was der Migrantenstrom seit Donnerstag aus der spanischen Exklave in Nordafrika gemacht hat. Läden sind geschlossen, die Atmosphäre wirkt gespenstisch.

Jagdszenen im Stadtzentrum

Dann sehen wir sie. Erst hunderte, dann tausende junge Männer auf den Straßen im Zentrum. Sie kommen größtenteils aus Marokko. Und jetzt nicht weiter. Ihre Hoffnung zerplatzt in der rauen Realität. Mehrmals werden wir Zeuge von Jagdszenen mit der Polizei. Die Beamten auf Motorrädern und in Autos, die Migranten zu Fuß. Teils barfuß. Sie laufen ihnen davon.

Wir machen uns zu Fuß auf den Weg Richtung marokkanische Grenze. Überall junge Männer. Und zwei völlig unterschiedliche Szenen innerhalb weniger Minuten: Zwei Zivilisten, wahrscheinlich Einheimische, schlagen einen Mann mit einem Knüppel. Sie wollen die Fremden hier offenbar nicht.

Ladenbesitzer hat Mitleid

Kurz darauf zeigt ein Ladenbesitzer Mitgefühl: Er reicht einer Gruppe Gestrandeter Trinkwasserflaschen aus seinem Geschäft. Dann verrammelt er den Laden wieder. Auch an der Küste versorgen Einsatzkräfte erschöpfte Menschen immer wieder mit Wasser.

Ceutas Regionalpräsident sprach zeitweise von bis zu 60.000 Migranten. Was uns am meisten überrascht: wie jung die Migranten sind! Viele höchstens 15 oder 16. Sie schwammen weite Strecken durchs Meer, riskierten ihr Leben. Laut offiziellen Zahlen von Freitagnachmittag starben 57. Die meisten sollen ertrunken sein.

Was die Migranten zur Flucht trieb

In der Innenstadt wollen viele ihre Geschichte erzählen. Ahmet (26) hat kein Geld, sieht in Marokko keine Zukunft für sich. Europa, egal wo, auch Deutschland, würde für ihn infragekommen. Taha (23) sagt mir, er habe Informatik studiert und in Marokko keinen Job. Es sei die Perspektivlosigkeit, die ihn nach Europa treibe. Freunde hätten die Nachricht verbreitet, dass die Grenze offen sei. Auch das Gerücht hielt sich: Wer auf See abgefangen wird, darf nicht einfach zurückgeschickt werden.

Wir kommen zur Strandpromenade, die zur Grenze führt. Spanisches Militär ist überall. Wieder viele tausend junge Männer. Und am Ufer Plastikflaschen, Badelatschen und Schuhe, die sie wohl beim Schwimmen verloren haben. Schwimmreifen treiben auf dem Wasser.

Viele wollen wieder zurück nach Marokko

Es wird Abend. Noch immer stehen viele Soldaten am Strand, die Schlagstöcke in der Hand. Sie setzen sie nicht ein. Das Militär beobachtet die, die aufgegeben haben und zurückwollen. Ein Strom Richtung Grenze. Aus der Gegenrichtung und über das Wasser kommen jetzt etwas weniger. Dann doch wieder Unruhe und Schreie: Ein junger Mann ist kollabiert, muss behandelt werden.

Ich gehe mit gemischten Gefühlen ins Bett. Draußen ziehen noch immer junge Männer Richtung Grenze. Manche wollen weiter nach Europa. Die meisten wohl nur noch zurück nach Marokko. Erschöpft, mit leeren Händen. Sie tun mir leid. Ich fürchte, diese Krise ist noch nicht vorbei.

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