Sie ist die wohl berühmteste Puppe der Welt und wurde mehr als eine Milliarde Mal in über 150 Ländern verkauft. Doch ohne BILD hätte es die Barbie-Puppe nie gegeben. Die Geschichte des Kultspielzeugs aus den USA beginnt bei der Axel Springer SE, die gerade ihr 80. Jubiläum feiert und zu der auch BILD gehört.
Mit einer Ausstellung im Berliner Verlagshaus erinnert die Axel Springer SE an Meilensteine der eigenen Entwicklung. Eines der 80 Exponate ist eine BILD-Lilli. Die Figur ist das Vorbild für die Barbie und wurde vom amerikanischen Hersteller Mattel 1959 einfach kopiert.
Die Geburtsstunde der berühmten Puppe fällt mit der von BILD zusammen. „Am Beginn stand eine Leerstelle auf Seite 2 bei der Produktion der allerersten Ausgabe der BILD vom 24. Juni 1952. In aller Eile wurde der Zeichner Reinhard Beuthien beauftragt, die Lücke zu füllen, damit die Zeitung in den Druck gehen konnte“, erklärt Lars-Broder Keil, Leiter des Unternehmensarchivs von Axel Springer.
Am nächsten Tag erschien in der BILD-Erstausgabe ein Cartoon mit einer schlanken, blonden jungen Frau mit Pferdeschwanz, die der Karikaturist Lilli nannte. Die Zeichnungen wurden mit lustigen Sprüchen unterlegt, die aus heutiger Sicht ziemlich altbacken wirken. Doch in den biederen 1950er Jahren mit alten Rollenbildern verkörperte die BILD-Lilli mit Witz, Schlagfertigkeit und jeder Menge Selbstbewusstsein eine moderne Frau. Sie war Single und verdiente als Sekretärin ihr eigenes Geld. Einem Polizisten, der sie am Strand darauf hinwies, dass zweiteilige Badeanzüge verboten seien, entgegnete Lilli: „Na gut, welches Teil soll ich ausziehen?“
Vom Lückenfüller zum Superstar
Lilli wurde zum Werbestar für BILD. Es gab Werbespots und Plakate mit der BILD-Lilli und 1958 sogar einen Spielfilm: „Lilli – ein Mädchen aus der Großstadt“. Bereits 1955 kam die BILD-Lilli als bewegliche Puppe aus Hartplastik auf den Markt. Nach dem Vorbild der BILD-Cartoons war die Spielzeugfabrik O. & M. Hausser beauftragt worden, eine Puppe zu fertigen. Die Lilli gab es in zwei Größen und mit 150 verschiedenen Outfits.
Die Plastikpuppe stieß nicht nur in Deutschland und in verschiedenen europäischen Ländern auf große Begeisterung. Auch Ruth Handler († 85), Mitbegründerin der amerikanischen Spielwarenfirma Mattel, wurde auf die BILD-Lilli aufmerksam. Wie die Journalistin Trapley Hitt in ihrem kürzlich erschienenen Buch „BarbieLand“ schreibt, entdeckte Ruth Handler die BILD-Lilli 1956 in einem Spielzeuggeschäft in Beverly Hills, in dem sie Stammkundin war. Anschließend reiste sie nach Europa und kaufte mehrere Lillis, von denen es in den USA nur ganz wenige Exemplare in Spezialgeschäften gab. Nach der Rückkehr ließ sich Ruth Handler weitere BILD-Lillis in die USA schicken, wie alte Rechnungen belegen.
Die erste Barbie von 1959 sah der BILD-Lilli zum Verwechseln ähnlich. Die Herstellerfirma der deutschen Puppe verklagte Mattel deshalb in den USA. Nach jahrelangem Streit kam es 1963 zu einem Vergleich. Bereits ein Jahr später kaufte Mattel die Rechte an der BILD-Lilli – und die deutsche Puppe verschwand vom Markt. „Häufig war Axel Springer seiner Zeit voraus. Die BILD-Lilli ist eines von mehreren Beispielen dafür“, erklärt Unternehmensarchivar Keil.
Die Anfänge der 80-jährigen Geschichte des Unternehmens Axel Springer gehen auf einen ehemaligen Schafstall auf einem Sommergrundstück der Familie Springer in der Lüneburger Heide zurück. Dort hatte Axel Springer sein erstes Büro als Jungverleger. Seine Neugier auf technische Innovationen, seine Kreativität und sein Gespür für die Bedürfnisse der Leser veränderten nach dem Krieg die deutsche Medienlandschaft.
Heute ist Axel Springer ein transatlantisches Unternehmen mit Zentralen in Berlin und New York. Zu den Marken des Hauses gehören unter anderem das Preisvergleichsportal Idealo und journalistische Titel wie POLITICO, BUSINESS INSIDER, MORNING BREW, WELT, BILD und seit dem in dieser Woche abgeschlossenen Erwerb auch die britische Telegraph Media Group.