Dietenhofen – Für die einen ist es der traurige Schlusspunkt einer Spielzeug-Legende in Deutschland. Für andere eine einmalige Chance. Nach der Schließung des Playmobil-Werks in Dietenhofen bei Nürnberg wird jetzt im Internet versteigert, was übrig ist. Zum Startpreis von einem Euro kommt alles unter den Hammer – von Förderband bis Fanbedarf!
Auf der Auktionsseite restlos.com läuft derzeit die Versteigerung mit dem Titel „Standortauflösung eines bekannten Spielwarenherstellers“. Auf BILD-Nachfrage bestätigt Walid Meziane, Marketing-Chef des Versteigerungshauses: „Es handelt sich um das Inventar des Playmobil-Werks.“
Industriebedarf und Sammlerstücke im Angebot
In dem mittelfränkischen Traditionswerk arbeiteten zuletzt noch 350 Mitarbeiter. Sie sind bereits seit Ende Juni freigestellt. Nach der Auktion bleiben nur leere Hallen. 734 Posten werden versteigert. „Zu den Highlights zählen unter anderem zwei große Playmobil-Figuren mit integriertem Desinfektionsmittelspender, eine Playmobil U.S.S. Enterprise, ein Playmobil-Aufsteller sowie weitere Stücke mit Sammlerwert. Den Großteil der Auktion macht jedoch professionelle Werkstatt- und Betriebstechnik aus“, sagt Meziane. Die Auktion läuft noch bis Mittwoch, 29. Juli 2026.
Wo Playmobil künftig produziert
Die deutsche Playmobil-Produktion in Dietenhofen schließt damit nach 57 Jahren unwiderruflich. Wichtigstes Werk für Herstellung und Montage ist inzwischen Hal Far auf Malta. Es besteht seit den 1970er Jahren. Eine zentrale Produktionsstätte für Spielzeug betreibt Playmobil auch in Cheb (Tschechien). Nicht betroffen sind der Logistik-Standort in Herrieden (Logistik) und die Hauptverwaltung in Zirndorf (Bayern). Weltweit beschäftigt das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 2500 Mitarbeiter.
Der Grund für Schließung und Kündigungen
Schon länger ist Playmobil in der Krise. Im Geschäftsjahr 2022/23 machte das Unternehmen erstmals in der Firmengeschichte Verlust. Im vergangenen Jahr ist der komplette Betriebsrat von Playmobil zurückgetreten. 2023/24 sank der Konzernumsatz der Horst Brandstätter Group von 736 Millionen auf rund 490 Millionen Euro. Besonders stark betroffen ist die Kernmarke Playmobil, deren Umsatz von rund 614 Millionen Euro auf 381 Millionen Euro sank.
Das Unternehmen reagiert mit Restrukturierung und Stellenabbau. Als Ursachen nennt es schwache Konjunktur, hohe Inflation, steigende Kosten für Löhne, Transport und Energie und dass Kunden sich beim Kaufen zurückhalten. Der Umsatz etwa vom dänischen Spielzeug-Konkurrenten Lego wächst allerdings Jahr für Jahr.
Mit der Schließung des Playmobil-Werks in Bayern endet ein Kapitel deutscher Industriegeschichte. Playmobil war über Jahrzehnte Synonym für „Made in Germany“ im Kinderzimmer.