Berlin – Das neue europäische Asylsystem soll die Migration besser steuern. Doch ausgerechnet bei Abschiebungen nach Italien und Griechenland kommt Deutschland offenbar kaum voran. Seit dem Start des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (Geas) im Juni 2026 wurden gerade einmal vier Asylbewerber aus Deutschland in die beiden Länder abgeschoben: zwei nach Italien und zwei nach Griechenland.
Das berichtet Welt am Sonntag (gehört wie BILD zu Axel Springer) unter Berufung auf Daten des Innenministeriums auf eine Anfrage der AfD. Brisant: Den erfolgten vier Abschiebungen stehen Hunderte Fälle gegenüber, in denen das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) festgestellt hat, dass Italien oder Griechenland für die betreffenden Asylbewerber zuständig sind. Nach Angaben der AfD soll das Innenministerium die konkreten Zahlen zu den Abschiebungen erst nach mehreren Nachfragen genannt haben.
Warum scheitern so viele Abschiebungen?
Warum neben Abschiebungen nach Italien auch solche nach Griechenland scheitern, ließ das Ministerium von Alexander Dobrindt (56, CSU) laut Welt am Sonntag zunächst offen. Unbeantwortet blieb demnach auch die Frage, wie die Regierung erreichen will, dass künftig deutlich mehr Menschen in die beiden Länder abgeschoben werden.
DENN: Bei der Geas-Reform geht es im Kern um striktere Einreise- und Asylregeln. Zugleich sollen Hauptankunftsländer wie Italien oder Griechenland aber auch entlastet werden. Deutschland will hingegen auch dorthin mehr abschieben. Ein klassischer Zielkonflikt.
Der Druck in der Union, mehr Abschiebungen auf den Weg zu bringen, ist groß. Bundeskanzler Friedrich Merz (70) hatte die Migration zu einem zentralen Thema seiner Amtszeit gemacht. CDU-Politiker Detlef Seif (64), der in der Unionsfraktion für Fragen zur europäischen Asyl- und Migrationswende zuständig ist, sieht allerdings auch die EU-Kommission in der Pflicht.
Italien kontert die deutschen Vorwürfe
Grundsätzlich habe Italien zugesagt, Abschiebungen aus Deutschland zu ermöglichen, erklärte Seif. ABER: Italien halte Deutschland auch entgegen, dass deutsche Nichtregierungsorganisationen noch mehr Migranten an Land brächten. Für diese Position habe er „viel Verständnis“, sagte der CDU-Politiker.
Dennoch fordert er: Sollte Rom sich weiterhin weigern, müsse ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet werden. Vorher setzte man jedoch auf weitere Gespräche zwischen Dobrindt und Italiens Innenminister Matteo Piantedosi (63).